Akquise für Webagenturen: ein Prozess, der planbar Aufträge bringt
Wie Webagenturen Akquise als festen Prozess aufsetzen: Zielkundenprofil, Leads mit Anlass, rechtssichere Erstansprache per Telefon und E-Mail, Nachfassen und die Kennzahlen, die zählen.
SpearData-RedaktionVeröffentlicht 11 Min. Lesezeit
Warum Akquise in Agenturen liegen bleibt
In den meisten Webagenturen läuft Akquise nebenher. Solange die Projekte reichen, bleibt sie liegen. Wird es ruhig, beginnt eine hektische Suche, und bis daraus Aufträge werden, vergehen Wochen. Dieses Auf und Ab ist typisch für das Projektgeschäft und hat meist drei Ursachen:
- Niemand ist zuständig. Die Geschäftsführung akquiriert, wenn Zeit ist, und die ist selten da.
- Empfehlungen sind der einzige Kanal. Das ist angenehm, lässt sich aber nicht steuern.
- Es fehlt der Überblick. Wer wurde wann angesprochen, wer wollte im Frühjahr wieder angerufen werden? Steht das nur im Kopf oder im Postfach, geht es verloren.
Die Lösung ist kein neues Werkzeug, sondern ein fester Ablauf mit klarer Zuständigkeit. Die folgenden fünf Schritte funktionieren mit wenigen Stunden pro Woche.
Schritt 1: Das Zielkundenprofil festlegen
Ein Zielkundenprofil, im Vertrieb oft ICP für „Ideal Customer Profile“ genannt, beschreibt die Unternehmen, die am meisten von Ihrer Arbeit haben und für Sie am rentabelsten sind. Der beste Startpunkt ist ein Blick auf Ihre besten bisherigen Kunden: Was haben sie gemeinsam?
| Merkmal | Frage an Ihr Team | Beispiel |
|---|---|---|
| Branche | Wo haben wir Referenzen und kennen die Abläufe? | Zahnarztpraxen, Steuerkanzleien |
| Region | Wo können wir Kunden persönlich treffen? | PLZ-Gebiet 5, Köln und Bonn |
| Größe | Wer kann unser Budget tragen? | 10 bis 50 Beschäftigte |
| Technik | Auf welchen Systemen sind wir stark? | WordPress, TYPO3, Shopware |
| Anlass | Welches Problem lösen wir besonders gut? | veraltetes PHP, keine Handy-Darstellung |
Der letzte Punkt wird oft vergessen, ist für die Ansprache aber der wichtigste. Branche und Region sagen Ihnen, wo Sie suchen. Der Anlass sagt Ihnen, was im ersten Satz steht.
Schritt 2: Leads mit Anlass finden
Ein Lead ist ein Unternehmen, das zu Ihrem Profil passt und das Sie erreichen können. Für die Suche gibt es mehrere Quellen, jede mit eigenen Stärken:
| Quelle | Stärke | Schwäche |
|---|---|---|
| Branchenverzeichnisse und Kartendienste | nach Branche und Ort sortiert | keine Aussage über die Webseite, jede Seite einzeln prüfen |
| Mitgliederlisten von Verbänden | klar eingegrenzt | oft unvollständig, Nutzung teils eingeschränkt |
| Technologie-Suchdienste | finden Seiten nach CMS oder Shop-System | Schwerpunkt selten auf kleinen deutschen Betrieben |
| Eigene Beobachtung | sehr persönlicher Einstieg | reicht nicht für eine wöchentliche Routine |
| Website-Datenbanken mit Prüfung | Filter nach Region, Technik und Fehlern, Kontakt aus dem Impressum | kostet pro Lead |
Offen gesagt: SpearData ist eine solche Website-Datenbank. Für den Ablauf in diesem Artikel spielt das Werkzeug aber keine Rolle. Wichtig ist, dass Sie zu jedem Lead einen Grund für den Kontakt haben.
Vor der Ansprache kurz prüfen
- Gibt es einen konkreten Befund auf der Webseite, der zu Ihrem Angebot passt?
- Ist ein Ansprechpartner mit Namen bekannt, etwa die Inhaberin oder der Geschäftsführer aus dem Impressum?
- Ist das Unternehmen aktiv? Aktuelle Öffnungszeiten, neue Bewertungen oder Stellenanzeigen sprechen dafür.
Vom Befund zum passenden Angebot
Der Befund ist nur dann ein guter Anlass, wenn Sie das Problem auch lösen. Diese Zuordnung hilft bei der Auswahl:
| Befund auf der Webseite | Passendes Angebot |
|---|---|
| PHP-Version ohne Sicherheitsupdates | Update, Wartungsvertrag |
| WordPress stark veraltet | Update oder Relaunch |
| Kein HTTPS oder abgelaufenes Zertifikat | Zertifikat, Hosting-Umzug, Wartung |
| Keine Darstellung fürs Handy | Relaunch |
| Lange Ladezeit | Performance-Optimierung, besseres Hosting |
| Google Fonts extern, Tracking ohne Einwilligung | Datenschutz-Check, Einwilligungslösung |
| Kein SPF- oder DMARC-Eintrag | E-Mail-Einrichtung (für IT-Dienstleister) |
| Keine Meta-Beschreibung, keine strukturierten Daten | SEO-Grundpaket |
Woran Sie diese Befunde erkennen und wie häufig sie sind, erklärt der Ratgeber Veraltete Webseiten finden.
Schritt 3: Der erste Kontakt
Der rechtssichere Ablauf ist: erst anrufen, dann mailen. Werbung per E-Mail oder über LinkedIn und Xing braucht auch gegenüber Unternehmen eine vorherige Einwilligung. Ein Anruf ist erlaubt, wenn konkrete Umstände dafür sprechen, dass das Unternehmen ihn erwarten kann. Ein belegbarer Befund auf seiner Webseite spricht dafür. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Kunden finden als Webdesigner.
Der Anruf
Nennen Sie den Befund im ersten Satz. Ziel ist nicht der Verkauf, sondern der nächste Schritt: die Erlaubnis, den Prüfbericht per E-Mail zu schicken, oder ein Termin von 20 Minuten.
„Guten Tag Frau Dr. Berger, hier ist Jonas Weber von der Agentur Nordlicht aus Köln. Ich rufe an, weil mir auf der Webseite Ihrer Kanzlei etwas aufgefallen ist: Browser zeigen Ihren Mandanten dort den Hinweis ‚Nicht sicher‘, auch beim Kontaktformular. Haben Sie zwei Minuten, dann erkläre ich kurz, woran das liegt?“
Zum Schluss: „Darf ich Ihnen die Zusammenfassung per E-Mail schicken? Dann haben Sie alles schriftlich.“
Sagt Ihr Gegenüber ja, haben Sie die Einwilligung für diese E-Mail. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Gesprächspartner und die Antwort, damit Sie das später belegen können. Sagt es nein, bedanken Sie sich, vermerken das „Nein“ und melden sich nicht wieder.
Die E-Mail nach dem Gespräch
Die E-Mail knüpft an das Gespräch an, bringt den Prüfbericht als PDF und schlägt den nächsten Schritt vor. Halten Sie sie kurz, das Wichtigste hat Ihr Gegenüber schon gehört.
Betreff: Zusammenfassung zu Ihrer Webseite, wie besprochen
Sehr geehrte Frau Dr. Berger,
vielen Dank für das Gespräch eben. Wie besprochen finden Sie im Anhang die Zusammenfassung: was mir auf Ihrer Webseite aufgefallen ist und was es für Ihre Kanzlei bedeutet. Die fehlende Verschlüsselung lässt sich meist in wenigen Stunden beheben.
Wenn Sie möchten, gehen wir die Punkte in 20 Minuten gemeinsam durch. Passt Ihnen Donnerstag oder Freitag?
Mit freundlichen Grüßen …
Ihre Kontaktdaten habe ich dem Impressum Ihrer Webseite entnommen. Wenn Sie keine weiteren Nachrichten von mir wünschen, genügt eine kurze Antwort.
Der letzte Absatz ist kein Beiwerk: Er erfüllt einen Teil der Informationspflicht nach Art. 14 DSGVO und macht einen Widerspruch leicht. Die vollständigen Angaben ergänzen Sie über einen Link auf Ihre Datenschutzerklärung in der Signatur.
Typische Einwände
| Einwand | Mögliche Antwort |
|---|---|
| „Wir haben schon jemanden.“ | „Gut, dann geben Sie den Hinweis gern weiter. Das Zertifikat sollte er sich bald ansehen.“ Sie hinterlassen einen guten Eindruck, und manchmal meldet sich das Unternehmen später doch. |
| „Dafür haben wir kein Budget.“ | „Verständlich. Die Behebung selbst ist klein. Wir können genau damit anfangen und alles Weitere später besprechen.“ |
| „Ich habe gerade keine Zeit.“ | „Wann passt es besser?“ Termin notieren und pünktlich anrufen. |
| „Die Seite reicht uns.“ | Akzeptieren. Fragen Sie, ob Sie sich in einem halben Jahr noch einmal melden dürfen, und notieren Sie die Antwort. |
Schritt 4: Nachfassen und die Pipeline führen
Die meisten Aufträge entstehen nicht beim ersten Kontakt. Wer nachfasst, ohne zu drängen, bleibt in Erinnerung, bis der Bedarf da ist. Dafür brauchen Sie eine Übersicht, in der jedes Unternehmen genau eine Stufe und einen nächsten Schritt mit Datum hat. Für den Anfang reicht ein einfaches CRM oder eine gut gepflegte Tabelle.
| Stufe | Bedeutet | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Ausgewählt | passt zum Profil, Befund notiert | anrufen |
| Nicht erreicht | niemand oder nur die Zentrale erreicht | neuer Versuch an einem anderen Tag, zu anderer Uhrzeit |
| Im Gespräch | Zustimmung zur E-Mail oder Termin | Prüfbericht schicken, Termin vorbereiten |
| Angebot | Angebot liegt beim Kunden | nach einer Woche nachfragen |
| Gewonnen oder verloren | Entscheidung gefallen | Grund notieren; bei „verloren“ Wiedervorlage in sechs Monaten, außer bei Widerspruch |
Schritt 5: Die Kennzahlen, die zählen
Sie brauchen keine Vertriebssoftware mit hundert Berichten. Fünf Zahlen reichen, um zu sehen, wo Ihr Ablauf hakt:
| Kennzahl | Berechnung | Zeigt Ihnen |
|---|---|---|
| Kontakte pro Woche | angerufene Unternehmen | ob die Routine hält |
| Gesprächsquote | Gespräche ÷ Kontakte | ob Anlass und Einstieg ziehen |
| Angebotsquote | Angebote ÷ Gespräche | ob das Zielkundenprofil stimmt |
| Abschlussquote | Aufträge ÷ Angebote | ob Angebot und Preis überzeugen |
| Kosten pro Auftrag | (Stunden × Stundensatz + Daten) ÷ Aufträge | ob sich der Kanal rechnet |
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, Ihre Agentur ruft 60 Unternehmen im Monat an. Jedes zehnte führt zu einem Gespräch, das sind sechs. Nach jedem zweiten Gespräch schicken Sie ein Angebot, also drei. Eines davon wird zum Auftrag. Der Aufwand: 16 Stunden zu je 80 Euro, also 1.280 Euro plus die Kosten für die Daten, für einen Auftrag.
Bei Projekten ab 5.000 Euro, dazu ein Wartungsvertrag, rechnet sich das deutlich. Bei Projekten um 1.500 Euro wird es knapp. Dann hilft ein engeres Profil mit höherer Gesprächsquote oder ein Angebot, das von Anfang an Wartung enthält.
Wer in der Agentur akquiriert
| Modell | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Geschäftsführung | kennt Angebot und Preise, wirkt glaubwürdig | die Zeit fehlt, Akquise bleibt liegen |
| Eigene Vertriebsperson | feste Zeit, klare Verantwortung | lohnt sich erst ab regelmäßigem Volumen, braucht Einarbeitung |
| Externe Terminvereinbarung | schnell startklar | teuer, wenig Kontrolle über den Auftritt; Sie haften für Verstöße des Dienstleisters mit |
In kleinen Agenturen funktioniert oft eine Mischung am besten: Eine Person im Team bereitet vor, wählt also Unternehmen aus und notiert zu jedem den Befund. Die Anrufe führt die Geschäftsführung oder die Projektleitung, die später auch umsetzt. So spricht der Kunde von Anfang an mit jemandem, der sein Problem versteht.
Aus Projekten wiederkehrenden Umsatz machen
Ein Relaunch bringt einmal Umsatz. Ein Wartungsvertrag bringt jeden Monat Geld und hält Sie im Gespräch, wenn der nächste Bedarf entsteht. Kunden, die Sie über einen technischen Befund gewonnen haben, verstehen seinen Wert sofort: Sie haben gesehen, was passiert, wenn sich niemand kümmert.
Ein Wartungsvertrag, der sich gut verkaufen lässt, enthält:
- Updates für CMS, Erweiterungen und PHP-Version
- Überwachung von Erreichbarkeit und SSL-Zertifikat
- regelmäßige Sicherungen, bei denen auch die Wiederherstellung getestet wird
- ein kleines Kontingent für Änderungen an Inhalten pro Monat
- einen kurzen Bericht pro Quartal
Der Quartalsbericht ist zugleich Ihr bester Anlass für Folgeaufträge. Einen aktuellen Anlass gibt es gerade auch für Bestandskunden: Am 31. Dezember 2026 endet der Sicherheitssupport für PHP 8.2. Seiten, die dann noch darauf laufen, bekommen keine Sicherheitsupdates mehr.
Häufige Fragen
Wie viel Zeit sollte eine Webagentur für Akquise einplanen?
Als Richtwert vier bis sechs Stunden pro Woche, fest im Kalender. Wichtiger als die Menge ist, dass die Zeit auch in vollen Wochen bleibt: Aufträge aus der Akquise von heute kommen erst in einigen Wochen.
Was ist ein Zielkundenprofil?
Eine kurze Beschreibung der Unternehmen, die am meisten von Ihrer Arbeit haben und für Sie am rentabelsten sind: Branche, Region, Größe, Technik der bestehenden Webseite und das Problem, das Sie besonders gut lösen. Im Vertrieb heißt es oft ICP (Ideal Customer Profile).
Wie spricht eine Webagentur neue Kunden rechtssicher an?
Mit einem Anruf, der einen konkreten Befund auf der Webseite des Unternehmens nennt, und einer E-Mail mit dem Prüfbericht erst, wenn Ihr Gegenüber im Gespräch zugestimmt hat. Werbung per E-Mail, LinkedIn oder Xing braucht nach § 7 UWG auch gegenüber Unternehmen eine vorherige Einwilligung, Anrufe zumindest eine mutmaßliche, für die konkrete Umstände sprechen müssen.
Welche Kennzahlen sind für die Akquise am wichtigsten?
Fünf reichen: Kontakte pro Woche, Gesprächsquote (Gespräche geteilt durch Kontakte), Angebotsquote, Abschlussquote und Kosten pro Auftrag. Sie zeigen, ob die Routine hält und an welcher Stelle der Prozess hakt.
Lohnt sich ein externer Dienstleister für die Terminvereinbarung?
Wenn intern niemand Zeit hat und Ihr Angebot klar umrissen ist, kann er sich lohnen. Achten Sie darauf, dass er rechtssicher arbeitet: Für Wettbewerbsverstöße von Beauftragten haften Sie mit (§ 8 Abs. 2 UWG).
Quellen
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 7 Unzumutbare Belästigungen
- UWG, § 8 Beseitigung und Unterlassung (Haftung für Mitarbeiter und Beauftragte)
- BVerwG, Urteil vom 29.01.2025, 6 C 3.23 (Telefonwerbung, Einwilligung und DSGVO)
- OLG Hamm, Hinweisbeschluss vom 03.05.2023, 18 U 154/22 (Nachrichten über Xing, LinkedIn und Co. sind elektronische Post)
- Art. 14 DSGVO: Informationspflicht, wenn Daten nicht bei der Person erhoben wurden
- PHP: Supported Versions (Support-Zeiträume je Version)
- IHK Köln: Werbung per Telefon, Brief und E-Mail
- SpearData-Index: Startseiten von 2.708.608 aktiven .de-Webseiten, Stand 30. September 2026