Webdesign-Leads: woher sie kommen und woran Sie gute erkennen
Was ein Webdesign-Lead ist, aus welchen Quellen gute Leads kommen, an welchen fünf Kriterien Sie sie erkennen und wie viele Sie für einen Auftrag brauchen. Mit Rechenbeispiel.
SpearData-RedaktionVeröffentlicht 10 Min. Lesezeit
Was ein Webdesign-Lead ist
Ein Webdesign-Lead ist ein Unternehmen, das eine neue oder bessere Webseite brauchen könnte, zu Ihrem Angebot passt und das Sie erreichen können. Der Begriff kommt aus dem Vertrieb und meint einen möglichen Kunden, noch keinen Auftrag.
In der Praxis werden drei Dinge oft verwechselt. Der Unterschied ist wichtig, weil er bestimmt, wie viel Arbeit vor dem ersten Gespräch noch auf Sie wartet:
Tabelle seitlich verschiebbar
| Begriff | Was Sie haben | Was noch fehlt |
|---|---|---|
| Kontakt | Firmenname, Adresse, vielleicht eine Telefonnummer | ob die Firma passt und warum Sie anrufen sollten |
| Lead | ein passendes Unternehmen mit erreichbarem Kontakt | ein konkreter Anlass für das Gespräch |
| Qualifizierter Lead | Lead plus belegter Befund auf der Webseite und Ansprechpartner | nur noch der Anruf |
Eine Liste mit 1.000 Kontakten ist also nicht 1.000 Leads wert. Erst wenn Sie wissen, warum ein Unternehmen gerade jetzt Hilfe brauchen könnte, wird aus dem Kontakt ein Lead, mit dem sich ein Gespräch beginnen lässt.
Anfragen und Leads mit Anlass
Leads kommen auf zwei Wegen zu Ihnen. Bei Anfragen meldet sich das Unternehmen selbst, etwa über Ihre Webseite, eine Empfehlung oder eine Anzeige. Bei Leads mit Anlass suchen Sie Unternehmen aus, deren Webseite ein konkretes Problem hat, und rufen an.
Tabelle seitlich verschiebbar
| Anfragen (eingehend) | Leads mit Anlass (ausgehend) | |
|---|---|---|
| Wer meldet sich? | das Unternehmen | Sie |
| Kaufbereitschaft | hoch, der Bedarf ist schon da | offen, der Bedarf ist oft noch nicht bewusst |
| Menge steuerbar? | kaum, nur über Werbebudget | ja, Sie bestimmen, wie viele Sie anrufen |
| Wettbewerb | oft mehrere Angebote | meist sind Sie der Erste |
| Typische Quellen | Empfehlung, eigene Webseite, Google-Profil, Anzeigen, Plattformen | eigene Recherche, Website-Datenbanken |
Beide Arten ergänzen sich. Anfragen sind angenehm, kommen aber unregelmäßig. Leads mit Anlass füllen die Lücken dazwischen, weil Sie selbst entscheiden, wann und wie viele. Welche Wege es für Anfragen gibt, vergleicht der Ratgeber Kunden finden als Webdesigner.
Sechs Quellen für Webdesign-Leads
Für Leads mit Anlass brauchen Sie zwei Dinge: eine Liste passender Unternehmen und für jedes einen Befund. Die Quellen unterscheiden sich darin, wie viel davon schon mitgeliefert wird.
Tabelle seitlich verschiebbar
| Quelle | Liefert | Ihr Aufwand je Lead |
|---|---|---|
| Kartendienste und Branchenverzeichnisse | Firmen nach Branche und Ort | hoch: jede Webseite selbst prüfen |
| Handelsregister und Verbandslisten | Firmen mit Rechtsform, oft Geschäftsführung | hoch: Webseite und Telefon selbst suchen |
| Adresshändler | große Listen mit Branche, Größe, Telefon | mittel bis hoch: Webseite prüfen, Aktualität unklar |
| Technologie-Suchdienste | Webseiten nach CMS oder Shop-System | mittel: Befund und Kontakt fehlen meist |
| Eigene Beobachtung im Alltag | einzelne Firmen mit sichtbarem Problem | gering je Lead, aber nur wenige pro Woche |
| Website-Datenbanken mit Prüfung | Firmen mit Befund, Kontakt aus dem Impressum | gering: Befund lesen, anrufen |
Offen gesagt: SpearData gehört in die letzte Zeile. Es prüft die Startseiten von über 5,9 Millionen aktiven .de-Webseiten und liefert zu jedem Lead die Befunde, den Ansprechpartner aus dem Impressum und einen Prüfbericht. Für das Vorgehen in diesem Artikel ist das Werkzeug aber zweitrangig. Wer genug Zeit hat, kommt auch mit Kartendienst und Browser ans Ziel, nur langsamer.
Fünf Kriterien für einen guten Lead
Ob ein Lead etwas taugt, sehen Sie vor dem Anruf an fünf Punkten. Fehlt einer, sinkt die Chance auf ein Gespräch deutlich. Fehlen zwei, sparen Sie sich den Anruf.
- Passt zum Profil. Branche, Region und Größe entsprechen den Kunden, für die Sie am besten arbeiten. Ein Profil festzulegen erklärt der Ratgeber Akquise für Webagenturen.
- Hat einen belegten Befund. Ein konkretes, nachprüfbares Problem auf der Webseite, etwa ein abgelaufenes Zertifikat oder eine PHP-Version ohne Sicherheitsupdates. „Die Seite wirkt altmodisch“ ist Geschmack, kein Befund.
- Der Befund passt zu Ihrem Angebot. Ein Hinweis auf fehlende E-Mail-Einträge hilft nur, wenn Sie das auch beheben.
- Es gibt einen Ansprechpartner. Inhaberin, Geschäftsführer oder Praxisleitung mit Namen, meist aus dem Impressum. Wer nach „der zuständigen Person“ fragt, landet in der Warteschleife.
- Das Unternehmen ist aktiv. Aktuelle Öffnungszeiten, neue Bewertungen oder Stellenanzeigen. Eine verwaiste Seite einer aufgegebenen Firma ist kein Lead.
Diese Leads lassen Sie besser liegen
- Seiten, die gerade neu gemacht wurden. Hier hat sich jemand anderes schon gekümmert.
- Filialen großer Ketten. Die Webseite wird in der Zentrale entschieden, nicht vor Ort.
- Unternehmen, die einer Ansprache schon widersprochen haben. Das „Nein“ gilt dauerhaft.
- Leads, von denen Sie nur eine E-Mail-Adresse haben. Ohne Einwilligung dürfen Sie dorthin keine Werbung schicken.
Welche Anlässe wie häufig sind
Am Anlass mangelt es selten. Wir messen jede Nacht die Startseiten aller aktiven .de-Webseiten in unserem Index. Diese Befunde kommen am häufigsten vor:
Anteil der aktiven .de-Webseiten mit Befund (Grundmenge: 5.923.799)
- Keine Meta-Beschreibung42,9 %
- Google Fonts von Google-Servern16,0 %
- Nicht fürs Handy optimiert15,9 %
- Kein HTTPS12,1 %
- Tracking ohne Einwilligung8,0 %
- Ladezeit über 3 Sekunden5,0 %
Nicht jeder Befund ist ein gleich guter Anlass. Eine fehlende Meta-Beschreibung ist häufig, aber für die meisten Inhaber abstrakt. Der Hinweis „Nicht sicher“ im Browser oder eine Seite, die auf dem Handy zerfällt, versteht dagegen jeder sofort. Beginnen Sie mit Befunden, die Ihr Gegenüber selbst sehen kann.
Wie viele Leads Sie für einen Auftrag brauchen
Planbar wird Akquise erst, wenn Sie wissen, wie viele Leads einen Auftrag ergeben. Die Rechnung hat vier Stufen, und jede hat ihre eigene Quote:
Rechenbeispiel: von 120 Anrufen zu zwei Aufträgen
- Unternehmen angerufen120
zwei Monate mit je 15 Anrufen pro Woche
↓ 10 % davon
Gespräche mit Entscheidern12↓ 50 % davon
Angebote verschickt6↓ 33 % davon
Aufträge2
Daraus folgt eine einfache Formel: Leads pro Monat = gewünschte Aufträge ÷ Gesprächsquote ÷ Angebotsquote ÷ Abschlussquote. Wer einen Auftrag im Monat will, braucht mit den Quoten oben 1 ÷ 0,1 ÷ 0,5 ÷ 0,33 = rund 60 Leads, also 15 pro Woche.
Welche Quote Sie am leichtesten verbessern
Die Gesprächsquote. Sie hängt fast nur am Anlass und am ersten Satz. Ein Anruf, der mit „Wir machen Webseiten“ beginnt, endet meist nach zehn Sekunden. Einer, der mit „Ihre Webseite zeigt Besuchern den Hinweis ‚Nicht sicher‘“ beginnt, hat einen Grund, weiterzugehen. Vorlagen für Anruf und E-Mail stehen im Ratgeber Akquise für Webagenturen.
Planbar Neukunden gewinnen: der Wochenrhythmus
Die Rechnung nützt nur, wenn die Arbeit jede Woche passiert, auch in vollen Wochen. Ein fester Rhythmus mit wenigen, kurzen Blöcken hält am längsten:
Tabelle seitlich verschiebbar
| Tag | Aufgabe | Zeit |
|---|---|---|
| Montag | 15 Leads auswählen, Befund und Ansprechpartner notieren | 45 Min. |
| Dienstag | erste Anrufrunde, Vormittag | 1 Std. |
| Donnerstag | zweite Runde: nicht Erreichte zu anderer Uhrzeit | 1 Std. |
| Freitag | Prüfberichte an Zustimmende, Angebote nachfassen | 1 Std. |
Wichtig ist eine Übersicht, in der jeder Lead eine Stufe und einen nächsten Schritt mit Datum hat. Für den Anfang reicht eine Tabelle. Wer mehr will, liest im Ratgeber Akquise für Webagenturen, wie eine einfache Pipeline aussieht. Ob sich gekaufte Leads gegenüber eigener Recherche rechnen, zeigt der Ratgeber Leads kaufen: Preise.
Ein Wort zur Ergänzung: Ein gut gemachter Brief kann einen Anruf vorbereiten, zum Beispiel bei Unternehmen ohne erreichbare Telefonnummer. Wie das aussieht, beschreibt der Ratgeber Akquise-Flyer für Webdesigner.
Häufige Fragen
Was ist ein Lead im Webdesign?
Ein Unternehmen, das zu Ihrem Angebot passt, das Sie erreichen können und bei dem es einen Grund für den Kontakt gibt, zum Beispiel eine veraltete oder unsichere Webseite. Eine reine Firmenadresse ohne diesen Grund ist noch kein Lead, sondern nur ein Kontakt.
Was ist ein qualifizierter Lead?
Ein Lead, der vorab geprüft wurde: Die Firma ist aktiv, ein Ansprechpartner ist bekannt, die Kontaktdaten stimmen, und es gibt einen belegten Befund, der zu Ihrem Angebot passt. Qualifiziert heißt nicht, dass das Unternehmen schon kaufen will, sondern dass sich ein Anruf lohnt.
Wie viele Leads braucht ein Webdesigner für einen Auftrag?
Das hängt von Ihren Quoten ab. Als Ausgangspunkt für die Planung: Bei zehn Prozent Gesprächsquote, Angeboten nach jedem zweiten Gespräch und einem Abschluss aus drei Angeboten ergeben 60 Kontakte einen Auftrag. Messen Sie nach 50 bis 100 Kontakten Ihre eigenen Werte.
Darf ich Webdesign-Leads per E-Mail anschreiben?
Als Erstkontakt nicht. Werbung per E-Mail braucht nach § 7 Abs. 2 Nr. 2 UWG auch gegenüber Unternehmen eine vorherige ausdrückliche Einwilligung. Der rechtssichere Weg ist ein Anruf mit konkretem Anlass und eine E-Mail erst, wenn Ihr Gegenüber im Gespräch zugestimmt hat.
Was kostet ein Webdesign-Lead?
Je nach Quelle von wenigen Cent für eine ungeprüfte Firmenadresse bis zu dreistelligen Beträgen für eine Anfrage aus Anzeigen oder einen vereinbarten Termin. Entscheidend sind am Ende die Kosten pro Auftrag, in denen auch Ihre Zeit steckt. Eine Übersicht steht im Ratgeber „Leads kaufen: Preise“.
Quellen
- Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 7 Unzumutbare Belästigungen
- BVerwG, Urteil vom 29.01.2025, 6 C 3.23 (Telefonwerbung, Einwilligung und DSGVO)
- Art. 14 DSGVO: Informationspflicht, wenn Daten nicht bei der Person erhoben wurden
- PHP: Supported Versions (Support-Zeiträume je Version)
- SpearData-Index: Startseiten von 5.923.799 aktiven .de-Webseiten, Stand 22. Oktober 2026